EXPERTENMEINUNG

Thomas Udesen
Chief Procurement Officer
Bayer

Bayer ist ein weltweit führendes Pharma- und Biotechnologieunternehmen mit Hauptsitz in Deutschland und globaler Reichweite. Thomas Udesen verweist auf 20 Jahre Erfahrung im Einkauf und kennt die zahlreichen Herausforderungen der Errichtung einer nachhaltigen Lieferkette.

Bayer hat zwei Brancheninitiativen mitbegründet, die ‚Pharmaceutical Supply Chain Initiative‘ (PSCI) und die ‚Together for Sustainability‘ (TfS), die unternehmensübergreifende Kooperation ermutigen, um ein Bewusstsein für verantwortungsvolle Beschaffungspraxis zu schaffen. Udesen ist außerdem Mitbegründer der Sustainable Procurement Pledge.

Die Einstellung von einer Million Einkäufer weltweit muss sich ändern. Wenn man diese Million zu einer Änderung bewegt, rettet man den Planeten. So einfach ist das.

Rebranding des Einkaufs

Unternehmen grenzen den Einkauf typischerweise stark auf Kosten, Qualität und Zuverlässigkeit ein. „Der Einkauf wurde in vielen Unternehmen vollkommen missverstanden, und die ESG-Dimension stand vor verschlossenen Türen. Aber das ist die Vergangenheit,“ so Udesen.

„Immer mehr Menschen betrachten den Einkauf aus einem ganz anderen Winkel. Es besteht kein Zweifel daran, dass viele Organisationen in der Lieferkette wollen, dass der Einkauf weiterhin nur auf Finanzen fokussiert bleibt. Dabei haben Einkaufsleiter, die an andere Funktionen des Unternehmens berichten, beispielsweise an den Finanzvorstand oder den Transformationskoordinator, eine deutlich umfassendere Vision.“

Für Nachhaltigkeit ist bei Bayer der CEO zuständig. Dieser Top-Down-Ansatz bei ESG stellt sicher, dass Nachhaltigkeit ein fester Teil sämtlicher Verfahren und Strategien des Unternehmens ist. Zusätzlich erhalten Mitarbeiter finanzielle Anreize, um Nachhaltigkeit im Unternehmen zu fördern. Dazu Udesen: „Die Prämien sämtlicher Mitarbeiter hängen von der Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens ab, nicht nur von der finanziellen Leistung. Beides ist wichtig.“

Vermeidung von Verwaltungsaufwand

Für Organisationen ist es schwierig, genaue Angaben zu den ESG-Referenzen ihrer Lieferanten zu erhalten. „Es ist ein Alptraum. Meistens sind die Informationen so unzulänglich, dass die Einkaufsteams nicht genau wissen, mit wem sie es eigentlich zu tun haben.“

Zwar bieten Technologie-Start-ups allmählich Lösungen an, die Informationen sind jedoch nach wie vor lückenhaft. „Wir brauchen eine Plattformlösung, um Unternehmen die erforderlichen Informationen zur Verfügung zu stellen, damit sie wissen, mit wem sie es zu tun haben und wie ihre Partner agieren - aber das gibt es nicht.“

Es ist wichtig, dass Datenlücken seitens der Lieferanten nicht durch einen größeren Verwaltungsaufwand in Form von häufigeren und komplexeren Fragebögen gefüllt werden. Stattdessen muss es eine branchenübergreifende Kooperation geben. „Wenn 50 verschiedene Unternehmen 50 verschiedene Fragebögen an dieselben Lieferanten schicken, sind die Lieferanten nur damit beschäftigt, diese Fragebögen auszufüllen, anstatt Probleme zu lösen. Die Bewertungen müssen für alle gleich sein.“

Zum öffentlichen Vergabewesen sagt Udesen Folgendes: „Hier gelten unangemessene Regulierungen und Verfahren. Die Folge ist, dass sich niemand berufen fühlt, das Richtige zu tun. Die Lösung ist nicht schwer, aber als erstes muss die Bürokratie gestoppt werden.“

Änderungen ermöglichen

Damit die Nachhaltigkeitsagenda vorankommt, „müssen wir ein gesellschaftliches Veränderungsprogramm in Gang setzen. Es beginnt damit, dass innovative Geister große Ideen entwickeln, die unser Leben von fossilen Brennstoffen wegbringen sollen. Privatunternehmen und öffentliche Gelder müssen diese Gruppe und ihre Innovationen unterstützen. Die Regulierungsbehörde muss sicherstellen, dass es diese Ideen auf den Markt schaffen, und Verbraucher müssen sie kaufen. Wir müssen unsere individuellen Verhaltensweisen ändern.“

„Am allerwichtigsten aber ist, dass der Einkauf die Initiative für diese Innovationen ergreifen muss, indem er ESG-basierte Entscheidungen trifft. Die Einstellung von einer Million Einkäufer weltweit muss sich ändern. Wenn man diese Million zu einer Änderung bewegt, rettet man den Planeten. So einfach ist das.“

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Die entscheidende Rolle des Einkaufs bei der Verwirklichung der ESG-Strategie

Durch eingehende Umfragen und Interviews mit mehr als 1.000 Führungskräften und Einkaufsfachleuten haben wir versucht, den tatsächlichen Stand der ESG-Agenda und ihre Beziehung zum Einkauf und zu Einkaufsfachleuten zu verstehen.

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