EXPERTENMEINUNG

Jessica Bederoff Stenvad
Sustainability Manager
Nordic Capital

Jessica Bederoff Stenvad ist Expertin für die Einführung von Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie der Private Equity-Firma Nordic Capital.

Beim Gespräch über ihre Arbeit erläutert sie, wie eine Private Equity-Firma eine aktive Rolle in der ESG-Agenda ihrer Portfoliogesellschaften spielen kann.

Das Hauptziel des Einkaufs besteht darin, Gesamtkostenoptimierungen zu ermöglichen, während gleichzeitig die zentralen Werte des Unternehmens aufrechterhalten werden und Resilienz in der Lieferkette geschaffen wird.

Gemeinsam für Nachhaltigkeit

Bederoff Stenvad sagt zur Entwicklung der ESG-Landschaft: „Ich glaube wirklich, dass wir dabei sind, das Thema Nachhaltigkeit zu beschleunigen. Dies ist auf eine Kombination von Faktoren zurückzuführen. Die Nachhaltigkeitsziele der UNO haben direkt Wirkung gezeigt, indem sie unter den Beteiligten ein gemeinsames Verständnis für die Richtung geschaffen haben, in die die Welt sich bewegt. Unternehmen identifizieren zunehmend die Chancen und das Potenzial zur Wertschöpfung, das als Teil der Lösung dargestellt wird, während die zunehmende Regulierung und das aktuelle Zusammenkommen zahlreicher Stakeholder-Initiativen zur Definition von Nachhaltigkeit das Thema ESG in einem bis dato ungekannten Tempo nach vorne katapultieren.“

Bederoff Stenvad glaubt, dass der nächste wichtige Schritt darin bestehen wird, diese verschiedenen Ansätze und Perspektiven unter einen Hut zu bringen: „Eine einheitlichere gemeinsame Sichtweise wird Fortschritte leichter machen. Es besteht zunehmend Einigkeit unter den Stakeholdern, dass die Nachhaltigkeitsagenda weiter vorangebracht werden muss und dass die COVID-19-Pandemie zu diesem Fokus beigetragen hat.“

Darüber hinaus stellen Unternehmen fest, dass die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit bei der Entwicklung ihrer Geschäftstätigkeit eigentlich rentabel ist. „Die Tatsache, dass Nachhaltigkeit den Unternehmenswert positiv beeinflusst, hat zu einer generellen Zunahme des Willens von Unternehmen geführt, sich in diesem Bereich zu engagieren,“ so Bederoff Stenvad.

Eine führende Denkweise

Nordic Capital war eines der ersten Unternehmen, das sein Engagement für Nachhaltigkeit festlegte. „Für Nordic Capital war es immer wichtig, in gute Unternehmen zu investieren. Wir haben 2014 eine Politik für verantwortungsvolles Investment verabschiedet und diesen Ansatz kontinuierlich weiterentwickelt und für unsere Anleger und Eigentümer festgelegt, welche Mindestanforderungen bestehen,“ so Bederoff Stenvad.

Zusätzlich hat Nordic Capital auch eine Toolbox für seine Portfoliogesellschaften entwickelt, damit sie auf diese Anforderungen reagieren können. „Wir gehen aktiv an das Thema Nachhaltigkeit heran, mit im Voraus festgelegten Kriterien in vier Kategorien: Strategie, Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Wir haben festgelegt, dass wir von unseren Portfoliogesellschaften erwarten, dass sie eine Nachhaltigkeitsstrategie einrichten, vorzugsweise mit KPIs und Zielvorgaben. Sie sollten auch ihre Hauptemissionsquellen kennen, ein geeignetes CO2-Reporting haben und aktiv an der Reduzierung ihrer Emissionen arbeiten,“ so Bederoff Stenvad.

Sie ergänzt, dass das Unternehmen kürzlich zusätzliche Möglichkeiten eingeführt hat, um es Portfoliogesellschaften zu ermöglichen, aktiv zu werden. „Wir haben spezifische Schulungen für Themen entwickelt, die wirklich relevant sind: Wie berechnen Sie Ihre CO2-Emissionen, wie arbeiten Sie mit Diversität und Inklusion. Wir haben ein umfassendes Expertennetzwerk, das unsere Portfoliogesellschaften bei der Implementierung besserer Verfahren für das Voranbringen dieser Agenda unterstützen kann.“

Bederoff Stenvad geht davon aus, dass Skandinavien der Implementierung von ESG-Überlegungen den Weg ebnet. „Skandinavien und europäische Unternehmen haben historisch einen Vorsprung gegenüber amerikanischen Unternehmen bei der Vorlage von Nachhaltigkeitsberichten, bei denen Europa deutlich besser abschneidet als die USA. Wir stellen aber auch regionale Unterschiede fest, wenn beispielsweise europäische Unternehmen ihr Augenmerk verstärkt auf Klima- und Umweltprobleme richten, während US-Unternehmen bei Diversität und Inklusion die Nase vorn haben.“

Ausrichtung des Einkaufs auf Kernwerte

Im Hinblick auf die Herausforderungen der Einbindung der Nachhaltigkeit merkt Bederoff Stenvad an, dass es da zu einer Einstellungsänderung in den Einkaufsteams und unter anderen Stakeholdern bedarf. 

„Wir brauchen echte, offene Diskussionen über den Wert, den der Einkauf für das gesamte Unternehmen schaffen kann, und insbesondere darüber, welche Rolle der Einkauf bei der Erfüllung der Nachhaltigkeitsprioritäten des Unternehmens spielen kann. So gehen Nachhaltigkeit und Resilienz oft Hand in Hand. Die Verknüpfung dieser Perspektiven in Ihren Einkaufsverfahren kann dabei helfen, Chancen mit finanziellen und gesellschaftlichen Auswirkungen zu identifizieren.“

Da die Führungsteams zunehmend die Gesamtkosten im Blick haben, gibt es eindeutig Argumente für Nachhaltigkeit.

„Mehrere Analysen zeigen auf, dass Unternehmen mit schlechten Arbeitsbedingungen weniger in der Lage sind, hochwertige Produkte anzubieten. Das Hauptziel der Einkaufsteams besteht darin, Gesamtkostenoptimierungen zu ermöglichen, während gleichzeitig die zentralen Werte des Unternehmens aufrechterhalten werden und Resilienz in der Lieferkette geschaffen wird,” so Bederoff Stenvad.

Toolkit für nachhaltigen Einkauf

Bederoff Stenvad betont, wie wichtig die Entwicklung von Tools ist, mit denen Nordic Capital hochwertigere Informationen von Unternehmen zu ihrer Nachhaltigkeitspraxis erhält, einschließlich Beschaffungs- und Supply Chain Management-Verfahren.

„Wir stellen sicher, dass unsere Portfoliogesellschaften über einen Verhaltenskodex verfügen, und erwarten von Ihnen, dass sie die Risiken und Chancen aus der E-, S- und G-Perspektive in ihren Wertschöpfungsketten prüfen. Traditionell ist unsere Beurteilung auf Verfahren ausgerichtet, aber wir kommen an einen Punkt, an dem das Portfolio reifer wird, so dass es immer einfacher wird, in einem früheren Stadium Zugang zu effektiven Leistungskennzahlen zu erhalten.”

Nordic Capital verfolgt einen umfassenden Ansatz, damit die Portfoliogesellschaften Wert im Einkauf durch seine Portfolio-übergreifende Einkaufsinitiative erzielen: das Nordic Capital Procurement Optimisation Programme (NCPO). Das NCPO steht auf vier strategischen Säulen: Gemeinschaft, Talententwicklung, Portfolio-übergreifende Beschaffung und unternehmensspezifische Programme. In diesem Umfeld arbeitet Nordic Capital daran, die Portfoliogesellschaften verstärkt zu befähigen, nachhaltige Einkaufsverfahren zu entwickeln. „Zusammen mit Efficio haben wir Leitlinien für nachhaltigen Einkauf entwickelt, um den Einkaufsorganisationen in unserem Portfolio dabei zu helfen, ihre Rolle dahingehend zu entwickeln, dass sie einen Beitrag zur allgemeinen Geschäftsstrategie des Unternehmens leisten. Sie leiten sie auch darin an, wie sie ihre Lieferantenbasis segmentieren und mit ihren Lieferanten optimal zusammenarbeiten, um stärker und nachhaltiger zu sein.“

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Die entscheidende Rolle des Einkaufs für die Umsetzung der ESG-Strategie

Durch gründliche Befragungen und Gespräche mit über 1.000 Business Leadern und Einkäufern haben wir versucht, den tatsächlichen Status der ESG-Agenda und ihre Beziehung zum Einkauf und zu den Einkäufern zu verstehen.

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