In den letzten Jahrzehnten haben sich die Lieferketten in den meisten Branchen zunehmend globalisiert – und das aus gutem Grund.

Die Globalisierung bietet zahlreiche Vorteile, darunter: 

  • Den Zugang zu alternativen bzw. spezialisierten Lieferanten
  • Erschließung globaler Talentpools und hochqualifizierter internationaler Arbeitskräfte 
  • Beschaffung von Produkten und Anwerben von Talenten in wirtschaftlich günstigen Ländern
  • Die Fähigkeit, Anforderungen lokaler Märkte effizienter zu bedienen oder sich diesen besser anzupassen
  • Förderung der sozialen Verantwortung von Unternehmen durch einen Beitrag zur wirtschaftlichen Gesundheit anderer Entwicklungsländer

In jüngster Zeit wurden jedoch Zweifel an dieser Vorgehensweise laut, da sich globale Supply Chains als weniger widerstandsfähig, komplexer und anfälliger für bestimmte Ereignisse erwiesen haben als zuvor angenommen. 

Um weiterzulesen und zu erfahren, wie Unternehmen sich auf diese Herausforderungen vorbereiten und in einem turbulenten und unvorhersehbaren globalen Umfeld Wettbewerbsvorteile sichern können, füllen Sie bitte untenstehendes Formular aus. 

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Die COVID-19-Pandemie ist das bekannteste Beispiel: Die Auswirkungen zeigen sich in unterbrochenen Schifffahrtsströmen, Produktionsrückgängen in den Fertigungsbetrieben und explodierenden Frachtkosten. Ein weiteres Beispiel ist die Blockade des Suezkanals, die zu massiven Störungen des Welthandels und zu erheblichen Problemen in den nachgelagerten Bereichen führte. Schätzungen seitens des Versicherungsunternehmens Allianz zufolge belaufen sich die Kosten für den Welthandel auf 6 und 10 Milliarden $ pro Woche. 

Zudem rücken Lieferketten immer stärker in den Fokus von Cyberattacken, die noch dazu immer kostspieliger werden. Die Durchschnittskosten einer Datenschutzverletzung belaufen sich laut jüngstem ‚Cost of a Data Breach‘-Bericht von IBM / Ponemon Institute auf rund 4,4 Millionen US$ – wobei die Kosten für die Reputation viel höher sind. Derweil nimmt die Häufigkeit dieser Angriffe exponentiell zu. Die Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit (Enisa) sagte voraus, dass es im Jahr 2021 viermal so viele Angriffe geben wird wie in den vorangegangenen 12 Monaten.

Während sich die Auswirkungen dieser Vorkommnisse keinesfalls leugnen lassen, sind sie doch ein Symptom eines umfassenderen Problems. 

Zunehmend komplex

So sehr die Globalisierung Ihrer Lieferkette wirtschaftlich sinnvoll erscheint, sie führt zu mehr Komplexität. Ein gleichbleibendes Maß an Qualität, Service und Sicherheit einer globalen Supply Chain sicherzustellen, löst einen Mehraufwand an Management, Kommunikation und zusätzlichen Prozessen aus - was nur zu gerne übersehen wird.
 
Zusätzliche Komplexität und geografische Trennung bedeuten auch weniger Kontrolle und erhöhte Anfälligkeit. Die jüngsten Ereignisse haben diese Risiken ins Rampenlicht gerückt und Regierungen und Unternehmen dazu veranlasst, einen neuen Blick darauf zu werfen, wie man kritische Supply Chains widerstandsfähiger machen kann. 

Gleichzeitig werden auch einige Grundsätze globalisierter Supply Chains einer kritischen Überprüfung unterzogen. Beispielsweise wird die Verwendung globaler Supply Chains als ‚Niedriglohn-Beschaffungsmodell‘ aufgrund der rasch steigenden weltweiten Löhne und Transportkosten zunehmend hinterfragt. Laut Xeneta Shipping Index haben sich die langfristigen Seefrachtraten im September 2021 mit einer Steigerung um 91,5% im Jahresvergleich beinahe verdoppelt. Parallel dazu belegt der ILO Global Wage Report für die vier Jahre vor der COVID-19-Pandemie einen weltweiten Reallohnzuwachs zwischen 1,6% und 2,2%, wobei das Wachstum im asiatisch-pazifischen Raum und in Osteuropa höher war als im übrigen Europa und in Nordamerika.

Um das veränderte Erscheinungsbild des globalen Einkaufs zu verdeutlichen, schauen wir uns jene Faktoren genauer an, die sich auf Supply Chains in zwei Schlüsselsektoren auswirken. Zudem widmen wir uns der Frage, wie Unternehmen sich diesen Herausforderungen stellen und sich in einem turbulenten und unvorhersehbaren globalen Umfeld Wettbewerbsvorteile verschaffen können. 

Wenn die Chips ausfallen: Der globale Halbleitermangel

Für potenzielle Käufer neuer Autos, Smartphones, Spielekonsolen oder sogar Haushaltsgeräte wird der gravierende Engpass bei Halbleiterchips alles andere als ein Geheimnis sein.

Das hat weitreichende Auswirkungen, da diese Chips in unzähligen Produkten verbaut werden – von Elektrogeräten, die wir heute als selbstverständlich ansehen, bis hin zu modernen medizinischen Geräten und vielem mehr. Hersteller dieser Produkte sahen sich infolgedessen gezwungen, die Produktion zurückzufahren, und Verbraucher mussten auf deren Anschaffung verzichten. Es wird wohl Monate oder sogar Jahre dauern, diesen Engpass zu überwinden, und einige Regierungen haben ihn als ein Problem der nationalen Sicherheit bezeichnet.

Dafür gibt es zahlreiche Gründe, darunter:

  • Der deutliche Anstieg der Nachfrage während der Pandemie, als Menschen gezwungen waren, zu Hause zu arbeiten und verstärkt elektronische Geräte zu benutzen
  • Mangel an Lieferanten – wenige große Produzenten, die alle in einer Region (Asien) angesiedelt sind und den Weltmarkt beherrschen. Beispielsweise entfallen auf Taiwan über 60% des weltweiten Gesamtumsatzes der Halbleiter-Gießereien, wobei der größte Teil davon auf ein Unternehmen entfällt
  • Probleme bei der Bedarfsplanung – im Anschluss an einen Rückgang der Chipaufträge aufgrund geringerer Nachfrage im Jahr 2020 wurde beispielsweise die Automobilindustrie von dem raschen Wiederanstieg überrascht
  • Lange Durchlaufzeiten – der Aufbau neuer Produktionsanlagen ist kapitalintensiv und komplex, so dass die Anpassung an die steigende Nachfrage Zeit braucht
  • Verringerte Produktion, auf Grund von Naturkatastrophen wie Bränden und Stürmen an wichtigen Standorten sowie der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie

Regierungen haben auf die Krise reagiert, indem sie in den Aufbau lokaler Chipfertigungskapazitäten und Supply Chains investiert haben. Zu Beginn diesen Jahres stellte US-Präsident Joe Biden Ausgaben in Höhe von 50 Milliarden $ für die Halbleiterfertigung und -forschung in Aussicht. China, Südkorea und die Europäische Union haben allesamt milliardenschwere Zusagen für den Ausbau der lokalen Produktion gemacht.

Aufgrund der Kosten, der Komplexität und der Notwendigkeit, die dafür benötigten hochqualifizierten Arbeitskräfte zu finden und auszubilden, wird einige Zeit vergehen, bis die Rückverlagerung Fahrt aufnimmt. In der Zwischenzeit wird die Nachfrage weiter steigen.

Viele der Probleme hinter dem Mangel sind das unmittelbare Ergebnis der erhöhten Risiken, die sich aus der Globalisierung der Lieferkette in der Industrie ergeben - und es gibt keine einfachen Lösungen dafür.

Eine bittere Pillen: pharmazeutische Supply Chains

Arztbesuche können sehr belastend sein - insbesondere dann, wenn verschriebene Medikamente nicht verfügbar sind. Der Zugang zu gängigen Antibiotika, Blutdruckmedikamenten, Schmerzmitteln und dergleichen gestaltet sich immer schwieriger. Die American Medical Association beschreibt Arzneimittelknappheit in den USA als dringliche öffentliche Gesundheitskrise.

Die Globalisierung der pharmazeutischen Supply Chain hat sich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte deutlich weiterentwickelt. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass heute rund 80% der pharmazeutischen Wirkstoffe (API) und wichtige Ausgangsstoffe aus China und Indien (und einer Handvoll anderer Länder) stammen. Indien produziert zudem einen erheblichen Anteil der weltweit verwendeten Generika.

Diese übermäßige Abhängigkeit von einigen wenigen Bezugsquellen erhöht das Risiko von Unterbrechungen der Supply Chain erheblich. Dadurch sind sie überproportional anfällig für Faktoren wie geopolitische Spannungen, Unterbrechungen der Distributionssysteme, Naturkatastrophen, Krisen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und mehr. Um eine ausreichende Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherzustellen, beschränkte beispielsweise Indien zu Beginn der COVID-19-Pandemie die Ausfuhr einer Reihe von Arzneimitteln und Wirkstoffen.

Außerdem ist es schwieriger, die Qualität von Arzneimitteln zu gewährleisten, die weit weg von zu Hause hergestellt werden. Und etwaige Fehler können schwerwiegende Folgen haben. Zu den weiteren Problemen, die Pharmaunternehmen aus Sicht der globalen Supply Chain beachten sollten, gehören: die Zulassung neuer Medikamente der nächsten Generation, die oft höhere Anforderungen an Lagerung und Versand stellen, sowie die steigende Nachfrage in vielen Regionen.

Wie bei den Halbleiterchips hat man darauf reagiert, indem man die Produktion aus dem Ausland zurückgeholt und wichtige Medikamente vermehrt auf Lager gelegt hat, um gegenüber diesen Risiken weniger anfällig zu sein. Auch wenn wir wahrscheinlich mehr Verlagerungen und Lagerbestände sehen werden, werden globale Supply Chains weiterhin ein Merkmal der Branche sein. Ein ausgeklügelter Ansatz ist also notwendig. 

RESILIENZ AUFBAUEN: NEUGESTALTUNG GLOBALER SUPPLY CHAINS

Diese Beispiele illustrieren einige der Herausforderungen, mit denen Unternehmen beim Management globaler Supply Chains zu kämpfen haben und deren Auswirkungen in allen Branchen spürbar sind.

Teilnehmer an der Umfrage „Supply Chain Resiliency 2021“ des Center for Advanced Procurement Strategy (CAPS) berichteten von einer 300%igen Zunahme der lieferantenbedingten Unterbrechungen seit Beginn der COVID-19-Pandemie. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kommt auch der Achilles Supply Chain Resiliency Index (ASCRI), der einen kontinuierlichen Rückgang der Widerstandsfähigkeit der Supply Chains im Jahresverlauf belegt und die Lage als ‚hochriskant‘ einstuft.

Obwohl diese Daten reale Probleme widerspiegeln, wird es in Zukunft wohl kaum zu einer umfassenden Abkehr von globalisierten Märkten zugunsten lokaler oder regionaler kommen. 

Stattdessen ist ein ausgewogenerer Ansatz zu erwarten, da Länder und Unternehmen bestrebt sind, besseres Risikomanagement und größere Widerstandsfähigkeit bei wichtigen Supply Chains umzusetzen. Ein Ergebnis der Probleme, die im Zuge der Pandemie aufgetreten, werden verstärkte Investitionen in lokale Kapazitäten bei Kernsegmenten seitens der Regierungen sein. So sollen größere Eigenständigkeit erreicht und die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten verringert werden. Wahrscheinlich werden wir auch eine Abkehr von der Just-in-Time-Bestandsführung und eine Erhöhung der Pufferbestände erleben. 

Abwägung der Zielkonflikte

Es gibt jedoch sehr gute Gründe dafür, warum die Globalisierung weiterhin von Bedeutung sein wird. Kostengünstige Beschaffung, der Zugang zu alternativen Lieferanten und zu unterschiedlichen Fähigkeiten und Fachkenntnissen sowie die Möglichkeit, lokale Märkte zu bedienen, sind allesamt überzeugende Vorteile. Das Umfeld verändert sich jedoch, und Unternehmen müssen einen gezielteren und strategischeren Ansatz wählen. Dazu zählen Kompromisse zwischen Kosten, dem Arbeitskapital sowie dem Serviceniveau in Bezug auf ihre Supply Chains. Effizienter ist wahrscheinlich ein hybrides Modell, das die strategische Bedeutung lokaler Kenntnisse und Kapazitäten für spezifische Bereiche erkennt, während andere Bereiche weiterhin unverändert Nutzen aus einem globalen Ansatz ziehen.

Globale Supply Chains werden jedoch nicht verschwinden, wie auch die Herausforderungen der Globalisierung bestehen bleiben. Unternehmen, die sich diesen Herausforderungen erfolgreich stellen, haben die Chance, einen erheblichen Wettbewerbsvorteil zu erlangen.

Unserer Erfahrung nach sind von den Unternehmen, die die jüngsten Beeinträchtigungen wie COVID-19, den Brexit, die Blockade des Suezkanals etc. überstanden haben, diejenigen am erfolgreichsten, die in den Aufbau ihrer Supply Chain Management-Fähigkeiten investiert haben. Dementsprechend waren sie in der Lage, sich an diese Herausforderungen anzupassen und proaktiv, statt reaktiv darauf zu reagieren. 

Die Schlüssel zur Resilienz

Um die Herausforderungen des neuen und unbeständigeren globalen Umfelds zu meistern, sollten sich Einkaufsorganisationen darauf konzentrieren, ihre Supply Chains widerstandsfähiger zu machen. Der Schlüssel dazu ist die Entwicklung eines effektiven Rahmens zur Identifizierung, Abschwächung und Verwaltung von Risiken auf Lieferanten-, Vertrags- und Warengruppen-/Marktebene. 

Um dies zu erreichen, ist es unerlässlich, die Sichtbarkeit und Transparenz der gesamten Supply Chain zu verbessern. Viele Unternehmen haben beispielsweise nur einen sehr begrenzten Überblick über ihre Tier-1-Lieferanten. Dies erschwert die proaktive Ermittlung von Risiken und die Entwicklung wirksamer Risikomanagementpläne. Es ist auch schwierig zu beurteilen, wie gut diese Tier-1-Lieferanten ihre eigenen Risiken in der Lieferkette managen. 

Zu den weiteren Faktoren, die Unternehmen bei der Umsetzung größerer Widerstandsfähigkeit nicht aus den Augen verlieren dürfen, gehören:

  • Ein tiefgreifenderes Verständnis des Beschaffungsmarktes, das es ihnen ermöglicht, alternative Lieferanten zu identifizieren und zu entwickeln, und die Abhängigkeit von einer eingeschränkten Anzahl an Lieferanten bzw. Standorten zu verringern.
  • Der Übergang von einer transaktionellen zu einer kollaborativeren Lieferantenbeziehung – einschließlich des genauen Verständnisses ihrer Fähigkeiten, ihres Wettbewerbsumfeldes und ihrer Risiken. Auf dieser Grundlage können Sie mit ihnen proaktiv zusammenarbeiten und gemeinsam Herausforderungen bewältigen bzw. Chancen nutzen. In Krisenzeiten bevorzugen Lieferanten viel eher die Einkäufer, mit denen sie eine etablierte, für beide Seiten vorteilhafte Beziehung haben.
  • Die stärkere Zusammenarbeit mit Unternehmensbereichen, um nachzuvollziehen, welche finanziellen Belastungen und Risiken bestehen und um Nachfragemuster und -verschiebungen besser zu verstehen.
  • Positionierung von Einkaufs- und Supply Chain-Fragen weiter oben auf der strategischen Agenda des Unternehmens da sie in einer immer stärker vernetzten Welt immer wichtiger werden. Der zunehmende Fokus auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) in den Vorstandsetagen und auf der Führungsebene bietet eine Chance, da der Einkauf eine Schlüsselrolle bei der Erreichung von ESG-Zielen spielt. Die derzeitige globale Supply Chain „Krise“ bietet eine weitere Plattform, um das Profil der Einkaufsfunktion zu schärfen.

Mit dem Wandel kommen die Chancen

Unser gegenwärtiges Umfeld bietet Einkaufsexperten Gelegenheit, die Art und Weise, wie globale Lieferketten gemanagt werden, entscheidend zu verändern– und dabei echte strategische Vorteile zu erzielen. 

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