Kosten sind wichtig. Äußerst wichtig. Sie machen die eine Hälfte der GuV aus und für den Einkauf stellen sie immer eine der Prioritäten dar – und das absolut zu Recht. Aber die jüngste Geschichte lehrt uns, dass kostengünstige Liefervereinbarungen nicht gleichbedeutend mit Wert sind. Und schon gar nicht mit einer Garantie dafür, dass sich kostengünstige Produkte angesichts neuer und veränderlicher Verbraucherdemografien tatsächlich gut verkaufen lassen.

Gesamtwert

Wir behaupten, dass innerhalb des Einkaufs, wo ,Gesamtkosten‘ früher die Best Practice darstellten, heute kein Weg am ,Gesamtwert‘ vorbeiführt. 

Was aber verstehen wir darunter? Ganz einfach, dass die Einkaufsfunktion nicht mehr nur auf der Grundlage von Preis und Dienstleistung bewertet werden darf. Ein multidimensionalerer Ansatz ist nötig, der beispielsweise auch die Sicherheit der Lieferkette, die Wertgenerierung sowie ESG oder Erwägungen hinsichtlich der Verbesserung der Nachhaltigkeit miteinbezieht. Aber nicht nur als ,schmückendes Beiwerk‘, sondern als wesentliche Kriterien.

Die diesjährige Ausgabe beschäftigt sich mit so mancher dieser neuen Anforderungen bzw. verbindlichen Regeln, um die Rolle des Einkaufs ‚jenseits von Kosten‘ einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen. Und wir analysieren, wie wir uns verhalten und warum wir uns durch die bevorstehende Herausforderung gestärkt fühlen sollten.

Ein multidimensionaler Ansatz

Beispielsweise können wir uns bei der Beschaffung von externen Fertigungsdienstleistungen nicht zwangsläufig für den kostengünstigsten Anbieter aus Fernost entscheiden, solange er nur die erforderlichen Produktionsnormen erfüllt. Wir müssen die Risiken innerhalb ihrer Lieferketten, potenzielle Transportausfälle, unilaterale Regierungsentscheidungen, rufschädigendes ESG-Versagen, die Opportunitätskosten für entgangene Innovationen oder Zusammenarbeit und vieles mehr beurteilen. Zahlreiche dieser Aspekte wirken sich nicht nur unmittelbar auf die Kosten aus, sondern auch auf den Gewinn.

Einflussfaktoren

Bereits seit einiger Zeit fokussieren sich führende Einkaufsfunktionen auf mehrwertschöpfende Partnerschaften und strategische Geschäftsbeziehungen. Während der letzten fünf Jahre führte eine Vielzahl von Makrofaktoren zu einer Beschleunigung, darunter:

  • COVID-19
  • Brexit
  • Klimawandel
  • Geopolitik
  • Konsumentenverhalten
  • Technologie

All diese Faktoren wirken sich auf die Nachfrage, Inputkosten, Verfügbarkeit, Durchlaufzeiten und Marktpotenziale aus. Dementsprechend müssen Unternehmen ihre Lieferketten besser im Auge behalten: Wie werden Güter und Dienstleistungen eingekauft, was wird eingekauft, von wem und von wo?

Komplexität

Der Gesamtwert erschwert den ‚guten‘ Einkauf. Beispielsweise:

MULTIDIMENSIONALE ANALYSE 
Bei der Evaluierung von Optionen, die über Kosten und Service hinausgehen, erhöhen wir die erforderlichen Datenquellen, steigern die Analyse der Optionen exponentiell und benötigen mehr - und fundierteren - Input von einer breiteren Gruppe von funktionalen Stakeholdern.

WARENGRUPPENRICHTLINIEN
Alle anerkannten Warengruppenrichtlinien sollten einer Überprüfung unterzogen werden, wie etwa „China ist ein ‚Niedrigkostenland‘“ oder „die Durchlaufzeiten betragen zwei Wochen“ oder „die Gruppe der 14- bis 18-Jährigen will kostengünstige Wegwerfartikel“. Dafür ist Zeit und Recherche notwendig.

LEISTUNGSMESSUNG
Die Art und Weise, wie wir kommunizieren und Erfolg bzw. Leistung darstellen, muss sich ändern und anspruchsvoller werden. Wie verbessern unsere nun besser durchdachten Handlungen die Kosten bzw. wie erhöhen sie den Gewinn?

TEAMFÄHIGKEIT
Möglicherweise bieten etablierte Teamkompetenzen und -tools nicht mehr die richtige Lösung. Höchstwahrscheinlich bedürfen sie einer Auffrischung in Form größerer Datenmengen und Analysefertigkeiten, eines frischen Blicks auf Strategie und Innovation sowie der Fähigkeit, schneller und effizienter zusammenzuarbeiten.
 

Wir laufen Gefahr, in der Komplexität zu ertrinken,
Wir brauchen also eine klare Richtung.

Edward Cox

Maßnahmenplan: Gesamtkosten in Gesamtwert überführen

KONZENTRIEREN SIE SICH AUF DIE GRUNDLAGEN
Verwenden Sie noch mehr Mühe und Aufmerksamkeit auf eine möglichst hochwertige Warengruppenplanung. Gehen Sie nicht nach Schema F vor, sondern stellen Sie sicher, dass diese wesentlichen Dokumente durch funktionsinterne sowie -externe Fachkollegen einer kritischen Überprüfung unterzogen werden.

INVESTIEREN SIE IN EXPERTEN
Nur die wenigsten Einkaufsteams verfügen über die Größe oder das Budget, um autark agieren zu können – insbesondere angesichts der auf uns zukommenden neuen Herausforderungen. Bestimmen und nutzen Sie vertrauenswürdige Experten, um etwaige Lücken zu füllen und neue Ansätze und Perspektiven einzubeziehen.

HINTERFRAGEN SIE DEN STATUS QUO
Misstrauen Sie Abläufen wie „Beschaffung – Vertrag – Wiederholung“. Sollten Ihre Warengruppen dieselben sein wie vor drei Jahren, dann hinterfragen Sie diese.

REDEN SIE ÜBER DEN GESAMTWERT
Sprechen Sie so lange vom Gesamtwert, bis er untrennbar mit der Herangehensweise Ihrer Abteilung verknüpft ist. Erwähnen Sie ihn zudem möglichst häufig, um den kommerziellen Beitrag des Einkaufs im Unternehmen zu zeigen.

VERANKERN SIE NACHHALTIGKEIT
Bekennen Sie sich zu Nachhaltigkeit und erstellen Sie ein Programm, um diese nach Möglichkeit zu fördern. Konzentrieren Sie sich dabei jedoch nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf die Menschen und auf das langfristige sowie verantwortungsvolle Wachstum Ihres Unternehmens.

Wir sind davon überzeugt, dass der Einkauf inzwischen mehr Faktoren als die reinen Kosten berücksichtigt.

Was halten Sie davon?

Welcher Parameter hat in Ihrem Unternehmen neben Kosten und Service die höchste Priorität?

Mehr erfahren

Sie können auch das Whitepaper "Survive then thrive: Building stronger supply chains in a post COVID-19 world" von Edward Cox und Ben Lambert lesen, um mehr zu erfahren. 

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