Leitfaden

Kostenoptimierung im Schadenmanagement

Autor: Thor Olsen

Beim Einkauf im Schadenmanagement von Versicherungen stellt die richtige Balance zwischen Preis und Qualität eine große Herausforderung dar. Erforderlich ist eine auf Innovation und Performance der Lieferanten basierende Herangehensweise an die Beschaffung, anstatt rein auf die Konditionen zu achten.

 

Ein vierstufiger Ansatz

Maximale Wertschöpfung bei der Beschaffung im Schadenmanagement von Versicherungen erfordert eine faktenbasierte Herangehensweise mit vier wesentlichen Elementen:

  1. Aufbau einer detaillierten Betrachtung der Schadensgesamtkosten (die weit über die reinen Lieferanten-Ausgaben hinausgehen kann) durch die Integration interner Daten mit den Systemen der Lieferanten. Dies ermöglicht eine deutlich fundiertere Bewertung inklusive Lieferzeiten, der bisherigen Schadensersatz-Performance und der Kundenzufriedenheit.
  2. Implementierung neuer Benchmarks zur Leistungsfähigkeit und Best-Practice-Standards mithilfe eines „Voice of the Supplier“-Ansatzes, durch den besonders innovative und leistungsstarke Unternehmen am Markt erkannt werden können. Dadurch wird den Lieferanten bewusst, dass Performance und Innovation wichtige Wettbewerbs-Parameter sind. Außerdem trägt dies dazu bei, den Irrglauben zu ändern, dass strategischer Einkauf gleichbedeutend mit aggressiven, preisbasierten Verhandlungen ist.
  3. Enge Zusammenarbeit mit den Schadenbereichen, um die Einbindung der Lieferanten zu gestalten sowie die Faktoren festzulegen, die Lieferzeiten, Performance und Kaufentscheidungen beeinflussen. Dies ist hilfreich, um ein transparentes Rahmenwerk zu erstellen, an dem sich Lieferanten bei ihren Angeboten und Verbesserungsvorschlägen orientieren können.
  4. Gründliche Ausführung der strategischen Beschaffung und Verhandlungen mit Lieferanten mit dem Fokus, strikte Zusagen hinsichtlich der Leistungserfüllung zu vereinbaren. Dabei muss sichergestellt sein, dass konkrete Einsparungen erzielt werden, ohne negative Auswirkungen auf die Schadensgesamtkosten und die damit verbundenen „weichen“ Faktoren zu verursachen.

Verhandlungsbasierte Restrukturierung

Die Bedeutung der frühzeitigen Einbindung der Lieferanten (im Vorfeld der Ausschreibung) sollte nicht unterschätzt werden. Marktstrukturen wandeln sich schnell und es ist wichtig, den Gesamtmarkt auszuloten, um die besten Anbieter zu identifizieren sowie die Bereitschaft zu leistungsbasierten Geschäftsmodellen mit konkreten Zusagen beurteilen zu können.

In den nachfolgenden Verhandlungen hilft eine konkurrenzbetonte Atmosphäre, das bestmögliche aus den Top-Lieferanten im Markt herauszuholen – trotz ihrer starken Verhandlungsposition.

Der Prozess sollte ambitionierte Zielsetzungen beinhalten, aber auch sicherstellen, dass die Zusagen einen positiven Effekt auf die Schadensgesamtkosten haben und vertraglich abgesichert sind. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist es, einer gründlichen und faktenbasierten, wettbewerbsorientierten Vorgehensweise zu folgen, die alle verfügbaren Verhandlungsparameter ausschöpft, inklusive dem Ausgangswert der Gesamtkosten.

Die historische Performance über mehrere Jahre hinweg zu skizzieren hilft Ihnen dabei, Lieferanten zu segmentieren und stärkt Ihren Verhandlungsansatz bei der Lieferantenauswahl. Ihre Verhandlungsposition wird deutlich verbessert und leistungsschwache Auftragsinhaber werden dazu gezwungen, sich zu bewegen.

Im Lieferantenmanagement ist es erforderlich, einen klaren Zusammenhang zwischen der jüngsten Performance des Lieferanten und der Vergabe von Volumina zu schaffen.

Performance-Management

Um den größtmöglichen Nutzen aus dem neuen Performance-System zu ziehen, ist es erforderlich, Prozesse für die ständige Einbindung der Lieferanten aufzubauen und zu implementieren. Performance-Management muss in die grundlegenden Geschäftsprozesse integriert werden, mit klarer Führung und Regelungen sowie Verantwortlichkeiten für die Umschichtung von Volumina zwischen Lieferanten, um eine gleichbleibend hohe Leistungserfüllung zu gewährleisten. Um dies zu erreichen, benötigt man standardisierte und automatisierte Prozesse in der internen und externen Kommunikation sowie unterstützende Tools, um Lücken im Netzwerk der bevorzugten Lieferanten zu erkennen, Performance zu fixieren und Kapazitätsengpässe und Qualitätsprobleme anzugehen. Dies trägt nicht nur dazu bei, die präferierten Anbieter zu nutzen, sondern erhöht auch die Verlässlichkeit – ganz im Sinne einer guten Kundenerfahrung.

Im Lieferantenmanagement ist es erforderlich, einen klaren Zusammenhang zwischen der jüngsten Performance des Lieferanten und der Vergabe von Volumina zu schaffen. Dies ist nur mit einer starken Unterstützung seitens der Mitarbeiter möglich, die direkt mit den Lieferanten zusammenarbeiten. Außerdem bedarf es spezifischer Anweisungen und Zuteilungsziele, welche durch eine klare Lieferantenperformance und Kundenzufriedenheit begründet sind.

Für Unterstützung im Bereich der Kostenoptimierung im Schadenmanagement von Versicherungen kontaktieren Sie uns bitte hier.


Jose Oliveira, Principal bei Efficio, hat auch als Autor an diesem Artikel mitgewirkt.